Wissen rund um Hagel
Hagelgröße und Schadensschwellen: ab wann welches Material leidet
Die geschätzte Hagelgröße hilft einzuordnen, welche Schäden ein Hagelzug anrichten kann. Fahrzeuge, Dächer, Solarmodule und Glas haben unterschiedliche Schwellen – zusammen mit Ort, Zeit und Belegstufe entsteht ein Bild der Lage.
Fahrzeuge: Dellen ab etwa 20 mm
Karosseriebleche zeigen ab etwa 20 mm erste Dellen; größerer Hagel trifft auch Dach, Motorhaube und Heckdeckel. Für Fahrzeuge passt deshalb eine Meldung ab Klasse 2 (20 mm). Dellentechnik-Betriebe, die große Schadensgebiete suchen, wählen oft Klasse 3 (30 mm).
Dächer: Ziegel brechen ab etwa 30 mm
Tondachziegel und Schiefer halten kleinen Hagel meist aus und brechen ab etwa 30 mm. In der Schweiz werden Bauteile nach Hagelwiderstandsklassen geprüft: HW 3 bedeutet, dass ein Bauteil einer Eiskugel von 30 mm standhält. Dachfenster, Lichtkuppeln und Rinnen leiden schon früher.
Solarmodule: geprüft mit 25 mm
Bei der Typprüfung nach IEC 61215 werden Eiskugeln von 25 mm auf das Modul geschossen. Größerer Hagel liegt über dieser Prüfung, und Mikrorisse in den Zellen sieht man vom Boden aus nicht. Für PV-Anlagen ist eine Meldung ab Klasse 2 (20 mm) sinnvoll.
Glas, Kunststoff und Sonnenschutz: ab etwa 20 mm
Dünnes Glas, Polycarbonat (Lichtkuppeln, Wintergärten) und Aluminium-Lamellen von Rollläden und Raffstores können schon ab etwa 20 mm Schaden nehmen. Die Werte sind Richtgrößen; Material, Alter, Wind und Aufprallwinkel verschieben die Schwelle.
Die Größe ist eine Schätzung
Die Radargröße ist keine Messung an jedem Ort. Einzelne Körner und die am Boden ankommende Größe können abweichen, und Hagel fällt innerhalb eines Zuges nicht überall gleich. In Deutschland gibt es keine Millimeterangabe, nur „Hagel möglich“ oder „großer Hagel möglich“. Prüfe deshalb Belegstufe, Ort und Zugbahn immer gemeinsam.